de

Felix Lüttge
Humboldt-Universität zu Berlin

deutsch // english

Auf den Spuren des Wals. Geographien des Lebens 1768–1935

Naturforschung, wie sie im 18. und 19. Jahrhundert als ›Naturgeschichte‹ betrieben wurde, war vor allem das Projekt der umfassenden Klassifizierung von Tieren, Pflanzen und Gesteinen. Mit dem Wal fasst mein Dissertationsprojekt die Wissenschaftsgeschichte eines Tieres ins Auge, das sich der eindeutigen Einordnung in das System der Natur lange widersetzte und um dessen taxonomischen Status heftige Debatten geführt wurden. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forderte der Wal das Experimentalisierungsparadigma der modernen Biologie heraus, während er sich für die Entstehung der Ozeanographie nicht zuletzt wegen seiner ökonomischen Bedeutung als produktiv erwies. Als eine Geschichte eines spezifischen Wissens vom Wal, das sich an der Schnittstelle von entstehender Ozeanographie, Biologie und wirtschaftlichen Interessen konstituierte, soll das Dissertationsvorhaben dem doppelten Interesse an Lebensraum und Lebensbedingung, das die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts dem Wal entgegenbrachte, nachgehen. Dabei soll gezeigt werden, dass die Widerständigkeit des Forschungsgegenstandes ›Wal‹ einerseits nach neuen wissenschaftlichen Methoden und Visualisierungsformen verlangte, jedoch zugleich Forschungs- und Präsentationspraktiken älterer Wissensordnungen zu einer Renaissance verhalf.

Vita

Studium der Geschichte und Philosophie in Berlin (HU) und New York (NYU), derzeit Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, Dissertationsprojekt: »Auf den Spuren des Wals. Geographien des Lebens 1768–1935«, Promotionsstipendium der Gerda Henkel Stiftung. Assoziiertes Mitglied im DFG-Graduiertenkolleg 1539 »Sichtbarkeit und Sichtbarmachung. Hybride Formen des Bildwissens«, Universität Potsdam. April–September 2014 Vertretung einer Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. 2015 Visiting Fellow am Department of the History of Science der Harvard University.

Forschungsinteressen

(Medien-)Geschichte des Wissens und der Wissenschaften
Theorie und Geschichte des Milieus und der Umwelt
Narrative der Naturforschung
Historische Epistemologie
Geschichte und Literatur

Publikationen

Aufsätze

»Walverwandtschaften. Leben in feindlichen Milieus«, in: Milieu. Umgebungen des Lebendigen in der Moderne, hg. v. Florian Huber und Christina Wessely, Paderborn: W. Fink 2017, S. 88–104.

»Weniger schlechte Bilder. Walfängerwissen in Naturgeschichte, Ozeanographie und Literatur im 19. Jahrhundert«, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 39 (2016) 2, S. 127–142.

Rezensionen (Auswahl)

Pascal Schillings: Der letzte weiße Flecken. Europäische Antarktisreisen um 1900, Göttingen: Wallstein 2016, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 40 (2017) 3, S. 291–293.

»Der Herzschlag der Erde. Keine Erfolgsgeschichte – das erste Transatlantiktelegrafenkabel«, Rezension zu Christian Holtorf: Der erste Draht zur neuen Welt. Die Verlegung des transatlantischen Telegrafenkabels, Göttingen: Wallstein Verlag 2013, in: Süddeutsche Zeitung vom 22. Oktober 2013.

»Etwas muss undeutlich bleiben. Beschauen und Erkennen: Wie Aimé Civiale, John Ruskin und Eugène Viollet-le-Duc mit Skizzen und Fotografien die Alpen erkundeten«, Rezension zu Jan von Brevern: Blicke von Nirgendwo. Geologie in Bildern bei Ruskin, Viollet-le-Duc und Civiale, München, W. Fink 2012, in: Süddeutsche Zeitung vom 3. Juli 2012.

Lehre

Bevölkerung. Zur Wissensgeschichte einer politischen Figur
Sommersemester 2014, Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin

Die Entdeckung der Umwelt. Milieudenken in den modernen Wissenschaften (gemeinsam mit Christina Wessely)
Wintersemester 2013/14, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Kontakt

Humboldt-Universität zu Berlin
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät
Institut für Kulturwissenschaft
Unter den Linden 6
10099 Berlin

felix.luettge (…) hu-berlin.de